Geld gleich Kultur

Drei Nullen Gestrichen

Am 1. Juli 2022 führte die Bank of Sierra Leone den seit 2021 angekündigten Währungsschnitt durch: 1 neuer Leone entspricht nun 1000 alten Leones, entsprechend aktualisierte Banknoten wurden am selben Tag in Umlauf gegeben.
Sierra Leone gehört zu den ärmsten Ländern der Welt: Rund 70% der Bevölkerung leben in extremer Armut. Nach der Erlangung der Unabhängigkeit Sierra Leones von Großbritannien im Jahr 1961 kam es 1991 zu einem blutigen Bürgerkrieg, der erst 2002 sein Ende fand; davon hat sich das stark vom Rohstoffvorkommen abhängige Land nicht vollständig erholt. Auch die Ebola- und die Corona-Krise schlugen sich besonders hart in der Wirtschaft nieder. Das Höchstnominal von 20 Leones, also 20.000 „alten“ Leones, entspricht 0,0015 Euro
Sierra Leone , ist ein Staat in Westafrika, der im Norden und Osten an Guinea, im Südosten an Liberia und im Westen an den Zentralatlantik grenzt. Die Hauptstadt und größte Stadt des Landes ist Freetown.
Im Gegensatz zu der weiter nördlich gelegenen Sahelzone bestanden im Gebiet des heutigen Sierra Leone keine Großreiche wie das Malireich. Im 17. Jahrhundert dominierten die Engländer den Sklavenhandel an der sierra-leonischen Küste. 1808 wurde die Halbinsel formell zur britischen Kronkolonie erklärt. Nachdem das Land 1961 die Unabhängigkeit von Großbritannien erlangt hatte, wurde es knapp zehn Jahre später nach heftigen Kontroversen zur Republik erklärt.
Von 1918 bis zur Unabhängigkeit waren die Banknoten von Britisch Westafrica gültige Währung. Der Sitz der Emissionsbehörde war, wie aus der Datumszeile ersichtlich, Lagos, der späteren Hauptstadt von Nigeria. Lagos wurde damals von Sierra Leone aus verwaltet. Zu Britisch Westafrica gehörten die Kolonien von Gambia, Sierra Leone, Nigeria und die Goldküste (heute Ghana). Alle vier benutzten die Banknoten des West Africa Currency Board mit Sitz in Lagos.

1000 Leones 1993 bis 2021 und ab 1. Juli 2022 = 1 Leone mit der Abbildung Bai Bureh

Bai Bureh (* 15. Februar 1840 in Kasseh, Distrikt Port Loko; † 24. August 1908 ebenda) war ein afrikanischer Herrscher des Königreich Koya, Kriegsherr und militärischer Anführer der Völker Temne und Loko. 1898 wurde er während des sogenannten Mende-Temne-Krieges bekannt, der sich gegen die Einführung einer Hut Tax durch die britische Kolonialregierung richtete.

Leben

Bai Bureh wurde als Jugendlicher im Dorf Gbendembu im Norden Sierra Leones zum Krieger ausgebildet und zeigte dort bereits seine Qualitäten als Krieger und erhielt den Ehrennamen Kebalai (deutsch: Jemand der nie des Kriegführens müde wird). Nach der Rückkehr in sein Heimatdorf wurde er dort als Herrscher eingesetzt. In den folgenden 20 Jahren wurde er durch seine kriegerischen Erfolge im gesamten Norden des Landes bekannt, mit denen er unter anderem einen reinen Islam und bewährte afrikanische Traditionen durchsetzen wollte. 1882 wehrte er einen Einfall von Kriegern des Volkes der Susu aus dem Gebiet des heutigen Guinea in das Gebiet der Kambia im Norden des heutigen Sierra Leone ab. Er stellte bei den Kambia die alte Ordnung wieder her und gab ihnen ihr Land zurück. Aufgrund seiner politischen und militärischen Erfolge wurde er 1886 zum Chief des gesamten nördlichen heutigen Sierra Leone gekrönt.

Konflikte mit der Kolonialmacht

Nach den Vereinbarungen der Westafrika-Konferenz von 1884 bis 1885 dehnte die britische Kolonialmacht in den 1890er Jahren ihren Einfluss in Sierra Leone weiter aus und führte 1898 eine Steuer ein, die sich auf die Anzahl der Räume der Eingeborenenhäuser bezog. Diese Steuer sollte zur Deckung der Verwaltungskosten und zum Bau von Straßen und Brücken verwendet werden. Bai Bureh lehnte für seinen Einflussbereich die Erhebung der Hut Tax ab. Mit seinen Kriegern, die sich aus den Völkern der Temne, Loko, Limba, Kissi und Kuranko rekrutierten, konnte Bai Bureh im Februar 1898 die Verbindungswege zwischen den einzelnen Stützpunkten der Briten im Norden Sierra Leones außerhalb der Hauptstadt Freetown unterbrechen. Die Kolonialregierung verursachte große Schäden für die Aufständischen durch den Einsatz der Methoden der Verbrannten Erde. Der Aufstand dauerte bis in den November des gleichen Jahres und brach nach Bai Burehs Festsetzung durch Einheiten des West African Regiment in Port Loko sehr bald zusammen.
Bai Bureh wurde in die britische Kolonie Goldküste, heute ein Teil von Ghana, verbannt. 1905 kehrte er in seine Heimat zurück und verbrachte dort die Jahre bis zu seinem Tode 1908 als Chief von Kasseh. Sein Grab, das seit 2016 ein Nationaldenkmal ist, befindet sich im Distrikt Port Loko.
Abbildung auf 1000 Leone Note

Isaac Theophilus Akunna Wallace-Johnson (* 1894; † 10. Mai 1965 in Ghana) war ein sierra-leonischer Gewerkschafter, Journalist, Aktivist und Politiker.

Lebensweg

Wallace-Johnson wurde in eine in ärmlichen Verhältnissen lebende Kriofamilie hineingeboren. Schon in der Schulzeit setzte er sich für Andere ein und wurde schnell zu einem Anführer. Für zwei Jahre studierte er an der United Methodist Collegiate School, ehe Wallace-Johnson 1913 eine Anstellung beim Zollbüro annahm. Für die Organisation eines Streiks wurde er suspendiert, ein Jahr später aber erneut angestellt.
Nach seiner Kündigung dort schloss sich Wallace-Johnson im Ersten Weltkrieg dem Carrier Corps an. Nach dem Krieg und der Entwaffnung fand er 1920 eine Anstellung bei der Stadtverwaltung von Freetown. 1926 wurde er entlassen und heuerte auf einem Handelsschiff an. Zu dieser Zeit schloss er sich der Seemannsgewerkschaft und der kommunistischen Partei an. 1930 war er Mitgründer der ersten Gewerkschaft in Nigeria. Walle Johnson nahm an der International Trade Union Conference of Negro Workers in Hamburg teil. Er veröffentlichte zahlreiche Artikel zu den Arbeitsrechten der Schwarzen und war Verleger des Magazins Negro Worker.
1933 kehrte Wallace-Johnson nach Nigeria zurück und wurde binnen Monaten wegen der Gründung illegaler Aktivistengruppen des Landes verwiesen. Es zog ihn daraufhin zur Goldküste, wo er schnell hohes Ansehen als Aktivist und Journalist gewann. Er setzte sich für die Rechte der Schwarzen ein. Dort gründete er 1935 die West African Youth League (WAYL), die in den kommenden Jahren im gesamten britischen Westafrika eine hohe Anhängerschaft gewinnen konnte.
Drei Jahre später kehrte Wallace-Johnson in seine Heimat Sierra Leone zurück. Er gründete diverse Gewerkschaften und politische Gruppierungen und verlegte eine Zeitung. Am 1. September 1939 wurde er unter dem erst kurz zuvor erlassenen Kriegsrecht aufgrund des Zweiten Weltkriegs festgenommen. Er wurde, ohne ordentliche Verhandlung, zu einer Haftstrafe von 12 Monaten verurteilt. Freigelassen wurden Wallace-Johnson schlussendlich nach fünf Jahren 1944. Umgehend ging er zurück in den Aktivismus und überführte die WAYL in den National Council of Sierra Leone. Er gründete eine weitere Partie, die sich dem Panafrikanismus verschrieb und sich vom Radikalismus abwandte.
1960 war er einer der Delegierten die die sierra-leonische Unabhängigkeit verhandelten.
Wallace-Johnson starb im Mai 1965 bei einem Verkehrsunfall in Ghana. Er ist auf der Vorderseite der 2000-Leones-Banknote abgebildet und auf der 2 Leones 2022

Sengbe Pieh, auch Joseph Cinqué oder Joseph Cinquez (* um 1815 in Sierra Leone; † um 1879 ebenda), war der Anführer der Sklavenrevolte an Bord des spanischen Schiffes La Amistad.
1839 wurde der verheiratete Reisbauer und Vater von drei Kindern, ein Angehöriger der Mende, in seiner westafrikanischen Heimat von Sklavenhändlern gefangen genommen und an Bord des berüchtigten portugiesischen Sklavenschiffes Teçora nach Nordamerika ausgeschifft.
In Havanna wurde er verkauft und gelangte so an Bord der La Amistad, wo er eine Rebellion entfachte, in deren Verlauf alle Besatzungsmitglieder bis auf zwei getötet wurden. Den Afrikanern gelang es, die US-amerikanische Küste zu erreichen, wo sie in New Haven, Connecticut der Meuterei und Mordes angeklagt wurden. Nach langen Gerichtsverhandlungen (Amistad-Prozesse, unter anderem aufgrund einer vom damaligen Präsidenten Martin Van Buren betriebenen Berufung und der deshalb notwendigen Verhandlung vor dem Supreme Court, sowie Streitigkeiten über ein Seerechtsabkommen mit Spanien), die über das Schicksal (d. h. den Rechtsstatus) der Afrikaner entschieden, erlangten diese 1842 – nach der Feststellung ihres Rechts auf persönliche Freiheit – ihre Freiheit. Ihre Verteidigung übernahmen die US-amerikanischen Abolitionisten, vertreten durch John Quincy Adams. Pieh wurde in der Anklage als Kongolese bezeichnet.
1842 gelangte Sengbe Pieh wieder nach Sierra Leone, wo damals Bürgerkrieg herrschte. Seine Familie fand er nicht mehr vor.

Abbildung auf der 5 Leones 2022

Nationale Symbole

Am 27. April 1961 wurde die Flagge mit der Unabhängigkeit von Großbritannien eingeführt. Die Flagge besteht aus horizontalen Streifen: oben grün, in der Mitte weiß und unten blau. Das Grün stellt die Natur und die Landwirtschaft, das Weiß die Einheit und die Gerechtigkeit und das Blau die Küste des Landes dar.
Der Löwe ist das Wappentier Sierra Leones. Im grünen Schildteil, der von zwei goldenen Löwen gehalten wird, befindet sich ein weiterer goldener Löwe und außerdem die drei Farben der Nationalflagge. Oben auf dem Schild sind drei Fackeln zu sehen, die die Freiheit symbolisieren. Die zwei Löwen, die als Schildhalter fungieren, halten einen Ölpalmbaum mit vier Früchten in ihren Händen. Darunter steht auf einem weißen Band das Motto von Sierra Leone: Unity, Freedom, Justice (Einheit, Freiheit, Gerechtigkeit).Weitere Abbildung die Friedenstaube auf 10 Leones 2022

Constance Agatha Cummings-John (* 7. Januar 1918 in Freetown; † 21. Februar 2000) war eine sierra-leonische Frauenrechtlerin, Politikerin und Lehrerin.
Sie gründete die Frauenorganisation Sierra Leone Women’s Movement (SLWM). In kolonialer Zeit setzte sie sich für die Unabhängigkeit Sierra Leones ein und agierte auf internationaler Ebene gegen Kolonialismus und für die rechtliche Gleichstellung der Frau. Nach der Unabhängigkeit des Landes hatte sie einen Mandat als Abgeordnete der Sierra Leone Peoples Party (SLPP) im Parlament inne.
1966 war sie Bürgermeisterin von Freetown.
Cummings-John ist seit dem 1. Juli 2022 auf der 20-Leone-Banknote abgebildet.

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