Wann geht es wieder los oder „Zurück auf Los“?

Ein Kommentar von Michael Bröckl

Wer schon immer in Eching lebt oder wer schon vor einiger Zeit zugereist ist, der kennt den Huberwirt noch so, wie man in allen ländlichen Gemeinden Bayerns den Wirt in der Ortsmitte kennt. Ob Familienfeiern oder Vereinstreffen, viele Gesellschaften trafen sich dort und machten den Huberwirt somit zur Mitte des Ortsgeschehens. Wir reden über die Vergangenheit, denn nach dem letzten Betreiberwechsel wurde der Betrieb stufenweise zurückgefahren und dann komplett eingestellt.

Im Januar dieses Jahres verkündete die Presse, dass der Huberwirt zum Verkauf steht und die Gemeinde Eching Interesse am Kauf hat. Jetzt, knapp sechs Monate später, haben die Echinger Bürger Gewissheit, denn der Kauf des Huberwirts durch die Gemeinde ist nun ein Fakt. Schon seit dem Zeitpunkt der ersten Verkündungen in der Presse, wurde über den möglichen Verkaufspreis spekuliert und auch darüber, welches Interesse mit dem Kauf durch die Gemeinde verbunden ist.

Zurecht stellen sich die Echinger Bürger nun die Frage, wann geht es mit dem Huberwirt wieder los oder geht es überhaupt wieder los?

Die Details des Kaufs sind nicht öffentlich, was wir aber wissen ist, dass das Gebäude in verschiedenen Etappen und über verschiedene Jahrzehnte gebaut und erweitert wurde. Hat das Gebäude heute noch die Substanz, die einen schnellen Betriebsstart ermöglichen würde?  

Doch noch spannender ist die Frage nach dem zukünftigen Nutzungskonzept. Was die Gemeinde mit dem Huberwirt machen will bleibt unklar und das, obwohl seit den ersten Nachrichten zum gemeindlichen Interesse knapp sechs Monate vergangen sind. Eine Arbeitsgruppe soll es nun richten und vielleicht ist das Ergebnis der Arbeitsgruppe dann das, dass man einen Pächter sucht und findet, der den Huberwirt genau als das betreibt was er vorher war, als ein Hotel mit einer angeschlossenen Wirtschaft. Doch was qualifiziert die Gemeinde mehr als den vormaligen Eigentümer einen geeigneten Pächter zu finden, der den Huberwirt wirtschaftlich sinnvoll betreiben kann, ohne dass die Gemeinde den Betrieb jetzt noch zusätzlich subventionieren oder gar zusätzlich investieren muss, um den Betriebsstart überhaupt zu ermöglichen?

Fragen über Fragen. Gerade die Steuerzahler der Gemeinde, also die Bürger und Unternehmer haben ein Recht auf Antworten. Von einer nachvollziehbaren Entscheidung kann im Moment keine Rede sein, insbesondere wenn man bedenkt, dass gerade noch im April eine Haushaltssperre wegen möglicher Steuerausfälle aufgrund der Corona Krise verkündet wurde.

Gibt es Alternativen für die Nutzung des Huberwirts? Die Lage ist hervorragend aber die aktuellen Gestaltungsmöglichkeiten sind überschaubar.

Der begonnene Rathausumbau in unmittelbarer Nachbarschaft zum Huberwirt nimmt äußerlich finale Züge an und gerade im digitalen Zeitalter sollte nach dem Umbau genügend Raum für die Gemeindeverwaltung vorhanden sein. Die Volkshochschule oder auch andere gemeindliche Einrichtungen sind aufgrund der in der Gemeinde vorhandenen Räumlichkeiten bereits gut versorgt und eine Zentralisierung scheint keinen zusätzlichen Mehrwert zu bieten.

Gibt es einen Bedarf das Alten Service Zentrum zu erweitern und mit dem  Huberwirt zu verbinden, da beide Gebäude doch schon heute „nahezu“ miteinander verbunden sind? Den Bedarf einer Erweiterung gibt es vermutlich schon, aber eine direkte Verbindung beider Gebäude ist schon augenscheinlich nicht möglich, da sich zwischen dem Alten Service Zentrum und dem Huberwirt ein weiteres Gebäude (über der Tiefgarageneinfahrt) befindet. Natürlich könnte man auch dieses Gebäude teilweise oder vollständig erwerben, aber auch das ist mit weiteren Ausgaben verbunden.

Ein Ärztehaus oder eine kleine Ladenpassage wären vielleicht wünschenswert, um die Wege für Einkäufe oder Facharztbesuche zu verkürzen. Natürlich stellt sich dann auch die Frage, ob sich neue Fachärzte überhaupt an diesem Standort niederlassen oder ob bereits bestehende Echinger Arztpraxen dorthin umziehen würden? Noch schwieriger dürfte es sein Unternehmer zu finden, die in Zeiten von Corona ein Ladengeschäft neu eröffnen, wo doch gerade jetzt die Konjunkturaussichten alles andere als erfolgsversprechend sind.

Zusammengefasst kann man sagen, dass der alleinige Besitz des Huberwirts durch die Gemeinde den Gestaltungsspielraum kaum erweitert und wirklich große Umgestaltungspläne die Steuerzahler noch mehr Geld kosten würden.

„Strategisch sehr wichtiges Grundstück“

Merkur vom 06.07.2020
https://www.merkur.de/lokales/freising/eching-ort28614/eching-kommune-kauft-echinger-huberwirt-13822364.html

Ein Grundstück in der Ortsmitte ist wichtig, das ist völlig unbenommen. Ist es ein Hotel mit einer angeschlossenen Wirtschaft im Gemeindebesitz auch? Gerade diese Art des Nutzung des Huberwirts ist wünschenswert, denn der Wirt in der Ortsmitte mit dem Maibaum vor der Tür verleiht den bayerischen Gemeinden eben genau diesen typischen und traditionellen Charakter, den die Menschen an Bayern so lieben und genau dieser Charakter würde Eching bei einer Umwidmung der Nutzung gänzlich verloren gehen. Man muss nicht immer alles selbst besitzen, denn auch mit einem privatwirtschaftlichen Investor hätte man reden können, um die zukünftige Nutzung des Huberwirts in eine für die Gemeinde zuträgliche Richtung zu lenken und um möglichst ein kleines Stück Tradition für Eching zu bewahren.

Doch jetzt besitzt die Gemeinde ein eigenes Hotel mit einer angeschlossenen Wirtschaft und steht damit im Wettbewerb zu den bereits ansässigen Hoteliers und Gastronomen aber auch im Wettbewerb mit den drei potentiellen Hotelneubauten – in den Gewerbegebieten Eching Nord und Eching Ost. Vor diesem Hintergrund wirkt die Verwendung des Begriffs „strategisch“ wie eine inhaltslose Phrase.

Strategische Investments haben in der Regel einen Sinn den man bereits vor dem Kauf kennt, sie haben eine langfristige Perspektive und sie ermöglichen eine Dividende. All das ist für die Steuerzahler derzeit nicht erkennbar. Was aber erkennbar ist, dass es mit diesem Kauf alleine nicht getan ist und noch weitere Belastungen auf den Echinger Gemeindehaushalt und somit auf die Steuerzahler zukommen werden.

Der Kauf des Huberwirts durch die Gemeinde gleicht dem Kauf der Schlossallee beim Monopoly. Man kauft die teuerste Straße vom ganzen Spiel und verliert meist doch, weil das restliche Geld dann für die Parkstrasse nicht mehr reicht.